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          Maritim u.Landschaft
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       Oldenburg in den fünfziger Jahren!
                                                                  Die Staustraße und das Modehaus Gehrels
 
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Die Lange Straße und anschließend die Heiligengeiststraße ziehen sich wie ein langes Band durch die Innenstadt von Oldenburg.
Das untere Bild zeigt den Blick von der Langen Straße zur Heiligengeiststraße, es wurde in den 50er Jahren von meinem Onkel
Fritz Binder gemacht. Er war bekannt als Journalist und Fotograf in Edewecht und Ammerland. In den sechziger Jahren staute
sich der Verkehr am Bahnübergang, wurde aber dann durch die Bahnhochlegung behoben

Kurz nach dem Kriegsende erblickte ich in einem Nebenhaus des Modehauses Gehrels das Licht der Welt. Oldenburg blieb
von größeren Zerstörungen verschont, so konnte sich das Stadtbild lange behaupten. Durch die Bahnhochlegung und der
teilweise fertig gestellten Fußgängerzone änderte sich einiges in der Stadt. Hiermit möchte ich auch auf die Seiten:
(Alt-Oldenburg)  hinweisen, eine sehr schöne Dokumentation mit interessanten historischen Fotos. Die Staustraße
ist eine von zwei Verbindungen die vom Hafen in den Stadtkern führen. Um 1950 rumpelten auch noch Pferdewagen
über das holprige Pflaster, rechts und links schlossen sich Fußwege mit  hohen Kantsteinen an. Es reihte sich Geschäft an Geschäft,
der Uhrmacher war genauso vertreten wie der Obstladen oder das Café, welches immer mit riesigen Eisblöcken
beliefert wurde. Ein Erlebnis sowohl für Kinder als auch für Erwachsene war die Eisenbahn zu Weihnachten in einem Schau-
fenster, sie wurde jedes Jahr schöner zumindest in meinen Augen. Später konnte man wie bei einer heutigen Fußgänger-
ampel durch einen Knopf an der Scheibe die Züge fahren lassen. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, das es viele
Spielzeugläden in der Stadt gab. Das ohnehin ruhige Leben in Bezug auf Straßenlärm und sonstige Faktoren wurde nur noch
gesteigert durch die Mittagspause. Viele Läden blieben über Mittag geschlossen und vom Hinterhof  des Gehrelshauses sah man

durch kleine Fenster in das Kellergewölbe der Expedition, wo die Mitarbeiter dieser Abteilung ein Mittagsschläfchen machten.

Der Hof lag hinter unserem Wohnhaus und grenzte mit der einen Seite an das Gehrelshaus. Von der Straße aus führte ein langer
Gang auf den Hof der durch eine dicke Eisentür gesichert war. Vom Hinterhof aus konnte man über eine Treppe die Wohnungen
der Mieter erreichen und auch ein Eingang zur Expedition war vorhanden. Unterstellplätze für die Fahrräder sowie eine
Waschküche aus der an Waschtagen dicker Nebel den Hof einhüllte rundeten das Bild ab. Mein Großvater erfüllte hier unter
anderem eine Hausmeistertätigkeit aus, die auch darin bestand am Abend die Eingänge mit großen Gittern zu sichern.
Sie wurden am Abend angehängt und morgens wieder entfernt, auf dem Hof wurden sie gegen die Rückwand unseres Hauses
gelehnt. Eines Tages kam ich auf die Idee diese Gitter als Leiter zu benutzen, was mir allerdings nicht gut bekam. Ziemlich in der
Mitte angekommen verlor das Gitter seine Standfestigkeit und kippte nach vorne um  und ich war wie eine Maus gefangen.

Gott sei Dank wurde das scheppernde Geräusch von den Expeditionsmitarbeitern gehört, so konnten sie mich aus meiner
misslichen Lage befreien. Der Hof war natürlich mein bevorzugter Spielplatz, so bekam ich eines Tages einen selbst gebauten
Straßenkreuzer geschenkt. Mein Onkel musste mich immer um den Pudding schieben, der über die Staustraße, links durch
die Achternstraße, dann wieder links am Kaufhaus Merkur  vorbei und schließlich wieder in die Staustraße führte. Da wir nicht
über eine Straße mussten war dies unsere bevorzugte Bahn, allerdings war die Lenkung noch  nicht ganz ausgereift und mein
fahrerisches Können ließ auch zu wünschen übrig, außerdem gab es manchmal kleinere Kollisionen mit den Passanten und
meinem Onkel verging auch langsam die Lust, so dass sich die Ausflüge mehr oder weniger auf dem Hof abspielten.

Das große Sortiment des Hauses reichte von Kurzwaren, Konfektion über Gardinen bis hin zu Teppichen usw. Diese Sachen
konnte man sich auch bringen lassen, hierzu stand ein großer Lieferwagen bereit und manchmal durfte ich zu meiner Freude mitfahren
Dann und wann machte ich an Sonntagen mit meinem Großvater einen Gang durch das leere Haus vom Kohlenkeller bis in die
oberen Etagen, die Deko-Abteilung fand ich besonders interessant ohne natürlich zu ahnen was für eine Rolle sie in meinem
späteren Leben noch mal spielen sollte. Wenn ich an dieses Haus zurück denke empfinde ich noch ein bisschen wie damals,
wenigstens das ist geblieben.1965 wurde das Haus abgerissen.



                                                                                                                50er jahre                                  
                                                                                                                                                                 Blick zur  Heiligengeiststr. in den fünfzigern!                Bild  34x24 auf Foto: Glanzpapier mit Rahmen!
eingang gehreis
                                                                                                                                                                                Eingang des Modehauses Gehrels
                                                                                                                              
                                                                             Die Staustraße in Richtung Hafen mit dem Modehaus Gehrels!                                    
                                                                                                                          
                                                                                                      
                                                                                                            Der Abriß beginnt mit meinem Geburtshaus, die Dachpfannen sind schon entfernt.
                                                                                                                                                                           
                                                                                                                                                                                                                                                 Ende!